Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

  Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Chronischer Nierenschaden und Ersatztherapie

Die Chronische Nierenerkrankung (CKD) ist durch einen fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion über die Zeit charakterisiert. Die Symptome der abnehmenden Nierenfunktion sind meist unspezifisch, Betroffene weisen meist ein Risikoprofil mit Bluthochdruck, Diabetes oder eine positive Familienanamnese für Nierenkrankheiten auf. Daher können Routineblutergebnisse das chronische Nierenversagen als Zufallsbefund ergeben, oder erweiterte Untersuchungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Blutarmut führen zu der Diagnose.

Die chronische Nierenerkrankung wird durch die Bestimmung des Serum-Kreatinins nachgewiesen. Erhöhte Kreatininwerte weisen auf eine erniedrigte glomeruläre Filtrationsrate hin. Dies bedeutet, dass die Nieren eine eingeschränkte Fähigkeit haben, Abbauprodukte des Stoffwechsels auszuscheiden. Einschränkend muss gesagt werden, dass die Serumkreatininwerte erst ansteigen, wenn schon  mehr als 60% der Nierenfunktion (beide Nieren zusammen) verloren ist. Weiterhin weisen ein erhöhter Gehalt an Eiweiß oder rote Blutkörperchen auf eine gestörte (Filter-) 5Funktion der Nieren hin.

Um die Ursache einer Nierenschädigung zu diagnostizieren, werden verschiedene Formen der „medizinischen“ Bildgebung, Blutuntersuchungen und gegebenenfalls eine Nierenprobenentnahme (Biopsie: ein kleines Stück vom Nieren-Gewebe wird mit einer Nadel entnommen) durchgeführt. Neue Richtlinien klassifizieren den Schweregrad der chronischen Nierenerkrankung in fünf Stadien:
Stadium 1 ist die mildeste Form, Stadium 5 zeigt eine schwere Krankheit mit sehr stark fortgeschrittener Nierenfunktionseinschränkung an.

Die Abklärung der Ursache einer  Nierenschädigung geht einer gezielten Behandlung voraus. Im fortgeschrittenen Stadium sind umfängliche medizinische Maßnahmen erforderlich, zumeist werden medikamentöse Einstellungen durchgeführt werden müssen. Dies dient der Verhinderung eines weiteren Fortschreitens und einer Nierenersatztherapie. Ist diese erforderlich, sollten Vorbereitungen rechtzeitig getroffen werden, zudem ist frühzeitig zu eruieren, ob eine Nierentransplantation durchgeführt werden kann.

Die Zahl der Menschen, die ein Nierentransplantat benötigen ist weitaus größer als die Zahl der Organe, die zur Verfügung stehen. Alternativ ist daher die sogenannte „Lebendspende“ zu erwägen, die von nahestehenden Personen möglich ist.

Das Ziel unserer Forschung ist es, die Veränderungen bei entzündlichen Nierenerkrankungen zu verstehen, die eine Nierenvernarbung (Fibrose) fördern, da diese den Verlust der Nierenfunktion bedingt.

Die Entdeckung von Biomarkern für Entzündungsvorgänge oder Gewebeschädigung kann hierbei helfen eine frühzeitige Diagnose zu stellen und Therapieerfolge abzuschätzen. Letztendlich ist es unser Ziel, die Nierenerkrankung durch neue Möglichkeiten aufzuhalten und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder stoppen.

Es gibt eine Reihe von bekannten Faktoren, die das Risiko von Nierenerkrankungen erhöhen:

• Diabetes

• Bluthochdruck

• Familiengeschichte einer Nierenerkrankung

• Herz-Kreislauferkrankungen

• erhöhter Cholesterinspiegel

• Adipositas

• Rauchen

1. Zelltod

Zellen sterben. Dies kann auf zwei Arten geschehen, entweder durch Nekrose oder durch Apoptose. Das letztere wird als "programmierter Zelltod" benannt und ist ein natürlicher Prozess. Jede Minute eines jeden Tages tritt es auf. Die toten Zellen werden von den „house-keeper“ - Zellen (Makrophagen genannt) entfernt und durch neue Zellen ersetzt.

Unsere Zellen sind in Membranen eingeschlossen, welche aus Lipiden hergestellt sind. Beginnt die Zelle zu sterben, werden einige Lipide freigesetzt, welche als „Fress-mich“ - Signale dienen, woraufhin Makrophagen in das Gewebe zur sterbenden Zelle rekrutieren und durch Aufnahme der sterbenden Zelle "aufräumen"; ein Prozess der Phagozytose genannt wird.

Wenn jedoch Zellen als Ergebnis einer Verletzung oder aufgrund toxischer Substanzen unerwartet sterben, wird der Inhalte der gesamten Zelle freigesetzt. Viele Moleküle innerhalb einer Zelle sind außerhalb der Zelle nicht auffindbar, weshalb diese als "Gefahrensignale" dienen. Abwehrkräfte werden alarmiert (d.h. das Immunsystem) und  aktiviert.

2. Entzündung

Die Gefahrensignale wirken im Gewebe auf die umliegenden Zellen, um diese zu aktivieren. Dies führt dazu, dass die Zellen ihr Verhalten ändern: 1. Sie beginnen Adhäsionsmoleküle auf ihrer Zelloberfläche zu produzieren, die sie klebrig machen;  2. Die Zellen sezernieren lösliche Faktoren (d.h. Chemokine), welche dazu dienen die Zellen des Immunsystems in das Gewebe zu rekrutieren und 3. Sie können sich selbst teilen, um abgestorbene Zellen zu ersetzen. Einige der Chemokine bleiben auch auf der Oberfläche der Zellen haften, welche dann einen Gradienten bilden, den die Immunzellen wahrnehmen, um den Ort der Schädigung zu lokalisieren.

Das Blut enthält neben Blutplättchen zwei Arten von Blutkörperchen, rote und weiße. Die roten Blutkörperchen werden Erythrozyten genannt, die Sauerstoff zum Gewebe transportieren und Kohlendioxid (CO2) und andere Abfallprodukte entfernen. Die weißen Blutzellen, Leukozyten genannt, sind dem Immunsystem zugeordnet. Es gibt viele Arten von weißen Blutzellen, jedoch kann man sie in zwei Hauptgruppen unterteilen. Diese werden dem angeborenen oder dem adaptiven Immunsystem zugeordnet.

Zellen des angeborenen Immunsystems besitzen Mustererkennungsrezeptoren, die in der Lage sind, fremdartige Moleküle im Körper zu identifizieren, z.B. Bakterien oder Viren. Zellen des adaptiven Immunsystems, Lymphozyten genannt, haben Antigen-Rezeptoren. Diese Zellen müssen sich entwickeln und verändern, um fremdartige Moleküle als „nicht-selbst“ zu erkennen.

Die Rekrutierung von Immunzellen in das Gewebe stellt einen wichtigen Teil der Entzündungsreaktion dar. Allerdings müssen Immunzellen als erstes einen Zugang zu dem Gewebe finden. Dies erreichen sie durch Sekretion von Proteasen, d.h. Enzymen, die die extrazelluläre Matrix verdauen (siehe Punkt 3).

Wenn eine erfolgreiche Einwanderung der Entzündungszellen vorliegt können diese gefährliche Moleküle/Organismen angehen und Heilungsprozess einleiten. Wenn der Stimulus längerfristig anhält kann eine fortdauerende Entzündungsreaktion (chronische Entzündung) eine Organvernarbung bedingen, die  als Fibrose bezeichnet wird.

3. Mechanismen der Fibrose

Eine Organvernarbung (Fibrose) entsteht durch unkontrollierte überschießende Wundheilung. Normalerweise ist eine Wundheilung ein stark regulierter Prozess, der die Produktion und den Abbau von extrazellulärer Matrix ausgleicht. Die für die Herstellung von extrazellulärer Matrix verantwortlichen Zellen werden als Myofibroblasten bezeichnet. Diese Zellpopulation hat verschiedene Ursprünge, wobei etwa die Hälfte aus ortsansässigen Nierenzellen entstehen und die restlichen aus dem Blut rekrutiert werden (siehe Punkt 2).

Unabhängig davon, wie Myofibroblasten entstehen, gemeinsam sind ihnen bestimmte Schlüsselmerkmale, zum Beispiel die Fähigkeit zur Produktion und Sekretion extrazellulärer Matrix. Neben der Produktion der Matrix sezernieren Myofibroblasten auch Proteaseinhibitoren. Diese Moleküle verhindern, dass Immunzellen Matrix abbauen und unterstützen somit die Ansammlung von neuer Matrix. Im Ergebnis ist eine Vermehrung der Matrix zu beobachten, die mit einer Einschränkung der Nierenfunktion einhergeht.

Projektleiter:

Ansprechpartner:

Beurteilung der Sicherheit und Verträglichkeit von AMG 416 im Vergleich zu Cinacalcet

Kurzbeschreibung

Nachweis, dass eine Behandlung mit intravenösen Dosen AMG 416 einer Behandlung mit oralen Dosen von Cinalcalcet zur Senkung des Serumspiegels des intakten Parathormons (PTH) um >30% gegenüber Baseline bei hämodialysepflichtigen Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und und sekundärem Hyperparathyreoidismus nicht unterlegen ist.

Schlagwörter: AMG 416, Cinacalcet

Ansprechpartner:

Interaktionspartner:

Mittelgeber: Industrie

Projektlaufzeit: 01.01.2013 - 31.12.2015

 

Regulation der Serum-Midkinespiegel bei Hämodialysepatienten

Kurzbeschreibung

Es wird der Frage nachgegangen, ob durch eine Dialysebehandlung die Midkine-Serumkonzentration sich bei dialysepflichtigen Patienten in Abhängigkeit von der Flüssigkeitsbilanz und klinischen Faktoren (Dauer Dialysebehandlung, Antikoagulation an Dialyse (Heparin), Medikation, Laborparametern für Entzündung) ändert. Bei Hämodialysepatienten werden serielle Probenentnahmen vor und nach Dialyse jeweils nach kurzem (2 Tage) und langem (3 Tage) Dialyseintervall durchgeführt. Die Serum-Midkinekonzentrationen werden vor und nach Dialyse, im langen und kurzen Dialyseintervall bestimmt und mit der Gabe von unfraktioniertem und fraktioniertem Heparin sowie dem Vorliegen einer Hypervolämie, Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, zur Flüssigkeitsänderung an Dialyse oder zum Blutdruckverhalten an Dialyse korreliert.

Schlagwörter: Midkine, chronische Hämodialyse, Volumenstatus

Ansprechpartner:

Interaktionspartner:

Mittelgeber: Sonstige

Projektlaufzeit: 01.11.2012 - 31.12.2014

 

Evaluation der langfristigen Sicherheit und Immunogenität von HEPLISAV™ im Vergleich mit Engerix-B ® bei Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung, die zuvor eine Hepatitis-B-Impfstoff Serie erhalten haben. (Beobachtungsstudie)

Kurzbeschreibung

Das Ziel dieser Studie ist der Vergleich von HEPLISAV™ mit Engerix-B ® hinsichtlich der Wirksamkeit und möglicher Nebenwirkungen bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz. Die Wirksamkeit der Impfstoffe erfolgt durch einen vergleich des Anstiegs der Antikörper im Blut der Studienpatienten, und wie lange der Anstieg des Antikörperspiegels im Blut anhält.

Schlagwörter: Hepatitis-Impfung, chronische Niereninsuffizienz

Ansprechpartner:

Interaktionspartner:

Mittelgeber: Industrie

Projektlaufzeit: 01.01.2011 - 31.12.2013

 

ISMAVIT (InterventionsStudie aus MAgdeburg mit VITaminen)

Kurzbeschreibung

In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie an Dialysepatienten wird untersucht, ob eine Multivitaminsupplementation die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität sowie die Gesamtmortalität senken kann.

Schlagwörter: Niereninsuffizienz, Vitamin

Ansprechpartner:

Interaktionspartner:

Mittelgeber: Haushalt

Projektlaufzeit: 13.02.2004 - 13.02.2008

Letzte Änderung: 12.02.2016 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
Kontakt

Direktor
Prof. Dr. med. Peter R. Mertens

Standort

Haus 60b, 1. Etage (Ebene 2)
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg


Chefsekretariat


Claudia Kluge

Tel. 0391-67-13236

Fax. 0391-67-15440

nephrologie@med.ovgu.de

Sekretariat

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Tel.: 0391-67-15445
Fax: 0391-67-15448
kend@med.ovgu.de

Lage- und Umgebungsplan

Sie erreichen uns
von Montag bis Freitag tagsüber (08.00 bis 15.00 Uhr) über unser Sekretariat und außerhalb dieser Zeiten den nephrologischen Diensthabenden über Tel. 0391-67-13239.

Dialyse KfH:

Kontaktaufnahme über Tel. 0391-2880920 oder 0391-2880930

Das KfH Nierenzentrum finden Sie am Fermerleber Weg kurz vor Einfahrt auf das Klinikumsgelände zur linken Seite.